Aus der Sicht einer Ente
Dienstag, 31 August, 2010 14:37
Dass an einem warmen Sommertag einige Menschen den Ratzeburger Küchensee belagern, kennen wir ja schon. Aber dass an einem kühlen, windigen Sonntag (29.8.’10) morgens um 7 Uhr Horden von Menschen sich auf unserer Wiese ausbreiten, zweirädrige Gefährte an Stangen hängen und sich in schwarze Gummihäute zwängen, ist schon sehr neugiererweckend. Als sich diese Wesen kurz danach in den Küchensee stürzen und diesen in ein Wellenbad verwandeln, haben sich meine Freunde und ich lieber an Land begeben. Aber auch dort hatte man keine Ruhe, denn schon kamen die ersten Menschen wieder aus dem See und schwangen sich auf ihre rollenden Gefährte. Erst als sich die letzten Menschen zu Fuß in den Wald begaben, hatten wir Ruhe, um uns die Wechselzone ‘mal genauer anzuschauen…. vielleicht nehmen wir im nächsten Jahr auch daran teil; es muss ja nicht gleich die Mitteldistanz sein.
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Noch zu mir: Nach dem Sieg auf der Langdistanz kann ich mich nun auch über einen Sieg auf der Kurzdistanz freuen. Es war wieder ein super schöner Wettkampf!
Hier geht’s zum Ratzeburger Inseltriathlon.

Ostseeman - Schrecken, Freude, Sieg!
Dienstag, 3 August, 2010 15:40
Es ist nicht mit Worten zu beschreiben, welches Gefühl es ist, das Zielband zu ergreifen und in die Höhe zu halten! Und dann auch noch bei einem Langdistanz-Triathlon! Die Gefühle fahren immer noch Achterbahn mit mir.
5:00 Uhr - das Einchecken beginnt. Ich liebe dieses leise Gewusel in der Wechselzone. Noch schöner wäre es, wenn sich jetzt die Sonne durchkämpfen würde. Bis zum Schluss warte ich mit der Kleiderwahl und schaue immer wieder in den wolkenbehangenen Himmel. Ich entscheide mich trotzdem für die “Wenig-Kleidung-Variante”. Die Kleidungsfrage hat so lange gedauert, dass ich kaum noch Zeit zum Einschwimmen habe.
6:50 Uhr - wir stehen alle am Strand, schauen aufs Meer, ein Gebet wird gesprochen, dann ertönen die Nationalhymnen der teilnehmenden Athleten - Gänsehaut - Herzklopfmusik - noch mehr Gänsehaut.
7:00 Uhr- der Start. Ich komme gut weg und kann schon ziemlich bald meinen Rhythmus schwimmen. Nach 2 Schwimmrunden und 01:08:29 h wieder Land unter den Füßen. Zeit ist okay. Wie gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst habe, dass die Favoritin Caroline Koll schon über 10 Minuten vor mir aus der Ostsee gekommen ist.Â
Eigentlich kommt jetzt meine Lieblingsdisziplin, aber diesmal freue ich mich nicht auf das Radfahren. Denn die Kombination viele Kurven+nasse Straßen+Carbonfelgen sind für mich einfach nur grauenvoll.
Ich habe nur 3 Streckenabschnitte, auf denen ich Gas geben kann: Glücksburger Chaussee (leider berghoch), auf der B199 und Bockholm-Holnis.
Schon in der ersten Runde passiert’s: eine langgezogene Rechtskurve mit starkem Gefälle zwischen Geil und Wahrberg. Das Athletenfeld ist noch ziemlich dicht beisammen, ich werde direkt vor der Rechtskurve von 2 Radfahrern überholt - der hintere merkt, dass er die Kurve unterschätzt hat, bremst, Hinterrad geht weg, er überschlägt sich … In Bruchteilen von Sekunden rasen Gedanken in meinem Kopf: links, Mitte geht nicht, wir fahren alle in ihn oder ins liegende Rad hinein, Massensturz, Rechtskurve ganz rechts nehmen auf nasser, stark abschüssiger Straße, dann würde auch ich mit dem Hinterrad wegrutschen … ich ziehe nach rechts auf den Schotterstreifen und bremse dort, fahre auf dem 30 cm Sand-Steine-Streifen weiter, überhängende Dornenzweige peitschen über meinen rechten Oberarm, ich höre Rufe nach Sanitätern, merke, dass alle hinteren Athleten auch vorbei gekommen sind … Erst jetzt merke ich, wie sehr ich zittere … ich danke Gott … Es dauert eine Zeit, bis ich gedanklich wieder voll im Wettkampf bin. Noch 5mal muss ich durch diese Kurve … ein Graus.
In der vorletzten Runde rast dann noch ein Reh direkt vor mir quer über die Holnisser Noorstraße. Wenn es wieder umgekehrt wäre, hätte ich keine Chance gehabt.
Um es abzukürzen: auch wenn ich gedacht habe, dass ich wie eine Schnecke gefahren bin, legte ich wieder die beste Radzeit hin und ging mit nur noch knapp 6 Minuten Rückstand auf die Führende Caroline Koll auf die Laufstrecke. Super, wenn jetzt alles gut läuft, werde ich Gesamtzweite und Norddeutsche Meisterin auf der Langdistanz, da Caroline K. aus Südafrika kommt.
Aber durch das unglaubliche, großartige Glücksburger Publikum laufe ich schon bald an Caroline vorbei. Ich kann es selbst gar nicht fassen. Hoffentlich habe ich nicht überzockt, aber bis jetzt fühle ich mich sehr gut. Als Anja und Gunther mir zurufen, dass ich 8 Minuten Vorsprung hätte, bekomme ich Flügel und langsam ein Dauerlächeln. Danke, dass ihr weiter die Zeit genommen habt, denn sonst hätte ich es nicht geglaubt: … 10 min. Vorsprung … 12 min. Vorsprung. Riesiges Danke an Lilly, Markus, Emmi und wer war das noch alles? Ihr steht genau an der richtigen Stelle - dort, wo man einen Durchhänger bekommt, aber bei eurem Geschrei kann man ja nur schneller rennen!
Der letzte Kilometer wird unvergesslich bleiben - jubelnde, klatschende, trötende Zuschauer. Mit über 17 min. Vorsprung laufe ich in den Zielkanal, meine Lachmuskeln tun schon weh, Tränen steigen in die Augen, Gänsehaut - das Zielband - direkt vor mir - gleich werde ich es ergreifen … I did it!
Ich habe den Ostseeman gewonnen in 10:10:10 h.
Danke an alle Helfer, Organisatoren, Zuschauer und Athleten, die mich auf der Strecke angefeuert haben!


